Solidarität mit den Gewerbetreibenden in der Oranienstrasse

Nicht nur die steigenden Mieten in den Wohnungen bedrohen unsere Kieze, sondern auch die krassen Mietsteigerungen bei den Gewerbemieten. Viele kleine Läden in unserer unmittelbaren Nachbarschaft haben schon schließen müssen; gekommen sind meist hippe Gewerbe wie Cafés, Fressbuden und Kneipen die sich mit ihrem Angebot eher an ein touristisches Publikum richten, als dass sie eine Infrastruktur für Anwohner sind und die diversität die unsere Kieze ausmacht spiegeln. Diese Entwicklung ist nicht neu. Die Initiative Bizim-Kiez problematisiert dieses schon seit ihrem Bestehen. Und auch am Kotti, in der angrenzenden Adalbertstrasse, in der Dresdenerstrasse gibt es mittlerweile Gewerbe, die wenig mit den über Jahrzehnten gewachsenen Strukturen am Hut haben. Die Auswirkungen sehen wir täglich, wenn u.a. kotzende Junggesellenabschiede übers Kotti tanzen und an unsere Häuser pinkeln.

Nun ist es sicherlich eine recht komplexe Frage, welches Gewerbe ein Kiez braucht und welches nicht und wer darüber zu befinden hätte. Klar ist aber auch, dass diese Art von Dienstleistungseldorados wie sie grade an den Hotspots der Gentrifizierung entstehen nicht die Art von Kiezentwicklung darstellen, wie wir sie brauchen.

In der Oranienstrasse habe sich nun zahlreiche Gewerbetreibende zusammengeschlossen und starten erste Aktionen. Wir dokumentieren hier unten die Presseinformation von Bizim Kiez, GloReiche und ORA35 und unterstützen die Forderungen der Gewerbetreibenden.

Solidarische Grüße von Nebenan!

Kotti & Co / Oktober 2017


Presseinformation von Bizim Kiez, GloReiche und ORA35 vom 12.10.2017

Verdunkelte Schaufenster als Symbol für drohende Verdrängung:

Nachbarschaftsinitiativen unterstützen kreative Protestaktion der Gewerbetreibenden
in der Oranienstraße am Mittwoch, 18. Oktober 2017 zwischen 17 und 19 Uhr

Die Oranienstraße ist das pulsierende Herz von Kreuzberg 36. Weit über 100 kleine Geschäfte, von der Änderungsschneiderei über Buch- und Fahrradläden, Kneipen, Restaurants und Spätis bis hin zukulturellen und sozialen Einrichtungen bieten Einheimischen und Touristen ein breites und oftmals alternatives Angebot.

Seit geraumer Zeit versuchen Investoren und Immobilienbesitzer, aus dem über Jahrzehnte
gewachsenen attraktiven Kiez Profit zu schlagen. Große Immobilienfonds wie die Deutsche Invest III kaufen, wie in der Oranienstraße 199-204, ganze Häuserzeilen auf und kündigen umgehend den dort ansässigen Gewerbetreibenden. Bei Neuvermietung werden dann bis zu 40 € Kaltmiete pro Quadratmeter verlangt, was kaum ein Gewerbemieter gegenwärtig oder in naher Zukunft erwirtschaften kann. Einer Sozialeinrichtung wurde die Miete gleich vervierfacht, sodass ihre Existen nach 34 Jahren gefährdet ist. Andere wie die Berggruen Holdings kündigen kurz nach dem Kauf von Häusern in der Straße den dortigen Werkstätten und Ateliers, um diese in Luxus-Lofts umzuwandeln.

Viele Gewerbemieter bekommen zudem nur noch Einjahresverträge, die eine langfristige Perspektive unmöglich machen. Neben der jährlich möglichen Mieterhöhung sollen so die Mieter*innen, die jedes Mal erneut um ihre Vertragsverlängerung bangen müssen, gefügig gemacht werden. In etlichen Fällen enthalten neue Mietverträge sogar einen Maulkorberlass, der die Gewerbetreibenden dazu zwingen soll, weder über die Vertragsverhandlungen noch über den Vertrag oder die Höhe der Miete in der Öffentlichkeit zu sprechen. Anderenfalls riskierten sie angeblich fristlose Kündigungen.

Gegen die drohende Verdrängung der Läden, die damit verbundene Existenzvernichtung und die Zerstörung der gewachsenen Kiezstrukturen regt sich jedoch immer stärkerer Widerstand:
Anwohner*innen haben die Initiative ORA35 gegründet und organisieren gemeinsam mit den Nachbarschaftsinitiativen Bizim Kiez und GloReiche sowie zahlreichen Gewerbetreibenden den Protest. 87 Gewerbetreibende und Sozialeinrichtungen aus der Oranienstraße haben sich zusammengetan, um ein Bündnis gegen Verdrängung aufzubauen. Sie haben Forderungen für einen wirksamen Gewerbeschutz in einem Positionspapier formuliert und dieses an den Senat übermittelt.

Die Initiativen fordern die Politik auf, endlich wirksame Schritte zum Schutz der Gewerbetreibenden und Mieter*innen zu unternehmen.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen und plakativ aufzuzeigen, welche Folgen das Agieren der Immobilienfirmen hat, führen die Gewerbetreibenden eine kreative Protestaktion durch. Als Zeichen, was passieren kann, wenn der Verdrängungspraxis nicht Einhalt geboten wird, werden am Mittwoch, den 18. Oktober 2017 in der Zeit zwischen 17 und 19 Uhr die Schaufenster in über der Hälfte der Läden in der Oranienstraße verhängt. Auch Werkstätten aus den Hinterhöfen und Gewerbemieter der Seitenflügel beteiligen sich und stellen Tische und Bänke auf die Bürgersteige. Sie sollen zum Verweilen und zum Gespräch einladen. Die Nachbarschaftsinitiativen Bizim Kiez, GloReiche und ORA35 unterstützen den Protest.

 

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